Mittwoch, 30. Dezember 2009

Kühe mögen keinen Kaffee, Glühwürmchen sind keine Würmchen und von Kahoe über Whangarei nach Auckland

[von sarah]


…und schon wieder Auckland. Mandy und Franzis kleines Neusseland-Intermezzo ging am ersten Weihnachtsfeiertag leider schon zu Ende – weil die beiden nun ein paar Tage in Sydney verbringen und am 26. Schon um 5 Uhr morgens am Flughafen sein mussten – das bedeutet also, am 25. Zurück nach Auckland. Nachdem wir ganz entspannt in Mandys Geburtstag reingefeiert haben, haben wir uns morgens auch mal ausnahmsweise etwas mehr Zeit genommen, also geplant um 9.30 und nicht um 7.30 die Unterkunft zu verlassen… als ich mit drei Instant-Kaffee Tassen auf die Veranda kam und mich fünf Kühe, die mitten auf dem Zufahrtsweg zur Villa gestanden haben erst erschrocken angeschaut und dann wie auf der Flucht Richtung Straße gerannt sind, war für mich nicht nur klar, dass Kühe keinen Kaffee mögen, sondern, dass ich vielleicht besser Lyndsey anrufen sollte, bevor ihre Kühe auf den Motorway rennen… die hat mich erst ganz entspannt gefragt, ob wir gut geschlafen hätten, ob wir ein Frühstück wollen etc. aber als sie das von den Kühen gehört hat sie hektisch „Are you serious?“ gerufen und dann nur noch „Stefanooooooooo!“ – und aufgelegt. Eine halbe Stunde später hat das Telefon geklingelt, das Problem ließe sich so schnell nicht lösen, wir könnten uns Zeit lassen und anrufen wenn wir kommen wollen. Da normalerweise alle Unterkünfte sehr strict mit der Check out time sind (10 am) haben wir uns sehr über einen zweiten Kaffee gefreut, denn es ist uns irgendwie echt schwer gefallen aus diesem Paradies wegzufahren.

Lyndsey und Stefano haben uns beide noch sehr nett verabschiedet und wir haben das letzte freie Zimmer im Monat Januar erbeutet J wir kriegen ja bald schon wieder Besuch – und jetzt bin ich überzeugt, dass man niemand eine schönere Unterkunft als die zeigen könnte.

Zurück ging der Weg über Kawakawa, Waiomio und Whangarei.

Kawakawa ist ein verschlafenes Nest, das seine gut laufenden Cafés und Souvenirshops seinen Klos zu verdanken hat. Ja wirklich. Denn das Kaff ´kann getrost behaupten die stylishsten öffentlichen Toiletten der Welt zu besitzen – gestaltet nämlich von Friedensreich Hundertwasser. Es ist zudem das letzte Werk des Künstlers, die Toiletten entstanden 1999, 2000 ist Hundertwasser gestorben, übrigens auf einem Schiff auf der Rückreise von Neuseeland (ja, das hab ich auf den Toiletten gelernt!!) und beerdigt wurde er übrigens auch in Neuseeland, auf seinem Anwesen in der Bay of Islands, wo er seit 1975 gewohnt hat. Ich verstehe schon, dass sich jemand in dieser traumhaften Gegend zur Ruhe setzt.

Ob ihr die Toiletten stylish findet, könnt ihr selbst beurteilen – aber für mich war’s toll, hier auch mal einen Funken Kultur mitzubekommen.

Der nächste Stopp, Waiomio, ist für mich das beste Beispiel, wie unerhofft schön Neuseeland oft ist. Ich glaube ich habe schon oft geschrieben, dass man das Gefühl hat, dass hinter jeder Ecke das Abenteuer wartet. Aber an diesem Tag war hinter einer Ecke ein Abenteuer.

Auf dem Highway habe ich ein Schild gesehen auf dem „Glow Worms“ stand und habe schnell Jörn zugerufen, dass er abbiegen soll. Am Ende einer Gravel-Road haben wir ein Farmhaus und eine steinerne Höhle gesehen und ein Schild mit „Caves“. Weil wir etwas ratlos waren, war ich gerade dabei, dan Reiseführer rauszukramen, um zu erfahren, was es damit auf sich hat, als eine nette junge Frau uns ganz unaufdringlich darauf aufmerksam gemacht hat, dass in zehn Minuten eine Tour startet. Dann habe ich mal nachgefragt und es klang toll – eine Stunde, eine Höhle, zehntausend Glühwürmchen.

Die Entscheidung für die Höhle haben wir nicht bereut. Es war so irre und auch ein bisschen romantisch mit Laternen durch eine Höhle zu laufen in einer winzigen Gruppe und von der Hausherrin (die, die uns angesprochen hatte, ist sozusagen die Besitzerin und die 14. Generation nach einer Süßkartoffeldiebin, die die Höhle entdeckte) ihren „backyard“ gezeigt zu bekommen. Die Höhle ist weniger touristisch als die großen Caves in Waitomo südlich von Auckland, aber ich könnte mir nicht vorstellen, was noch beeindruckender sein sollte, als eine ganze Decke voller Glühwürmchen, die so hell leuchten, dass man emint, es seien Sterne am Himmel… auch biologisch haben wir einiges gelernt, die Glühwürmchen sind nämlich lange Larven… die leuchten wenn sie Hunger haben, um Insekten anzulocken, die sie in einer Spinnennetzartigen Konstruktion fangen. Wenn sich die fünf Zentimeter langen Larven zu nahe kommen, essen sie sich auch gegenseitig. Achja und die Larven hängen 11 Monate an der Decke ab, verpuppen sich zwei Wochen, werden zum Insekt und legen Eier und nach drei Tagen sterben sie. Manchmal auch als Futter ihrer Artgenossen. Eigenartiges Leben. Leider durfte man in der Höhle keine Fotos machen, was wir ja auch verstehen. Aber ich hätte euch echt gern gezeigt, dass es aussieht wie ein Sternenhimmel…

Übrigens hat Manawatu, unser Guide, auch erzählt, dass letztes Jahr Bill Gates die Führung gemacht hat und er in seinem Hubschrauber mit seinen zehn Security auf der Kuhweide hinter ihrem Haus gelandet ist. Fand ich am beendruckensten von allen Promi-Geschichten, die die Guides manchmal so erzählen. Eben vor allem aus dem Grund, dass Bill Gates mit Hubschrauber auf der Kuhweide landet…

Unseren nächsten Stopp haben wir in Whangarei gemacht, der größten Stadt im Northland. Aber wir haben uns nur die Wasserfälle, die angeblich meistfotografierten Wasserfälle des Landes, angeschaut. Franzi und ich haben auch versucht über viele nasse Steine hinter den Wasserfall zu klettern, aber irgendwann war irgendwie Ende… trotzdem ist es toll, so einen Wasserfall auch mal von hinten zu sehen.

Nachdem wir endlich in Auckland waren, wollten wir aber doch noch nicht einfach schlafen gehen – schließlich war es Mandys Geburtstag… also haben wir um 9 Uhr abends noch ein Restaurant gesucht, wo wir noch was essen können. Gelandet sind wir bei Denny’s und haben uns auf das Weihnachtsmenu gestützt – Turkey, mit Erbsen, Karotten, Kartoffeln, als Vorspiese Shrimps und zum Nachtisch Kuchen. Sehr amerikanisch, wie ein Thnkasgivingessen, aber seeeehr lecker. Weil es immer später wurde, haben sich die Mädels irgendwann entschieden (ich glaube so um 1? Halb 2?) gar nicht mehr ins Hostel, sondern direkt zum Flughafen zu fahren, da mussten sie ja eh früh morgens wieder sein und ein Zwischenstopp hätte wohl nur genervt…. Also haben wir uns etwas doof an der Tankstelle verabschiedet – aber wir sehen uns ja wieder in Wellington.

Als Fazit kann ich ganz bedenkenlos und echt etwas traurig sagen, wie schön die Zeit mit den beiden war. Nicht nur, weil wir so geniale Sachen unternommen haben, sondern auch, weil es so schön war, mal wieder vertraute Menschen zu treffen. Freunde. Die einen kennen, die man kennt. Ich weiß gar nicht wie ichs sagen soll, weil wir ja auch hier mit en Leuten immer gern was gemacht haben und weil es echt jetzt schon Leute gibt, auf die ich mich in Deutschland freue. Aber wenn man jemand eben erst kurz kennt, weiß man oft nicht, wie ernst man Kritik oder dumme Sprüche nehmen soll, ob man auch mal nen Spruch machen kann, ohne denjenigen zu verletzen usw. oder eben doch etwas zurückhaltender ist, auch was persönliche Dinge angeht, die man erzählt, was ja auch verständlich ist. Naja und Mandy kenne ich ja jetzt schon eine Weile und es hat so gut getan, ehrlich. Und die beiden waren so unkompliziert. Haben weder gezickt, noch gejammert, noch gar nichts gesagt, waren nie schlecht gelaunt, egal wie müde sie waren und haben auch ganz geduldig gewartet bis wir das hundertste Foto gemacht haben J es war einfach schön. Und richtig entspannend, obwohl wir so viel unterwegs waren. Ich freue mich jedenfalls sehr auf Silvester! Und Wellington!

Wir haben dann allein im Bamber House in Auckland übernachtet – in einem Bungalow, das ganz neu war, noch nach Laminat gerochen hat und das Format einer Gartenhütte hatte. Wir hatten zwar ein eigenes Bad, aber kein warmes Wasser. Aber meine Güte, haben wir gut geschlafen. Es war perfekt für diese Nacht!

Bezeichnend war allerdings ein Gespräch, das wir am nächsten morgen mitgehört haben. Eine deutsche hat an Weihnachten nach Hause telefoniert und gesagt, dass sie ja schon „Omas Fressen“ vermissen würde. Und die „Leude“ und die „Paady“ am 24. obwohl sie im Hostel ja auch „ganz derb abgefeiert“ hätte. „Wir haben ein englisches Trinkspiel gespielt, man musste ne Karte ziehen, ey und eal welche Karte man gezogen hat, man musste immer saufen“ – und: „jetzt muss ich erstmal wieder ins Bett und abkatern…. – Ja im Achtbettzimmer, aber nach ner Woche im Bus ist so ein Bett echt ganz geil….“ Oh man, war uns das peinlich. Nur noch Farmstay in der Pampa. Und so wenig Massen-Sauf-und-Party-Hostels wie möglich. Wie kann man in Neuseeland sein, bei traumhaftem Wetter und den Tag mit „abkatern“ verbringen????? Ein Rätsel. Aber vielleicht versteht man’s nur wenn man sonst an Heiligabend in die Disco geht und danach ordentlich bei Oma fressen, so zum „abkatern“.

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