Wir haben unser eigenes Haus. Naja, zumindest für zwei Nächte. Denn dort habe ich im Kahoe Farms Hostel bei Lyndsey und Stefano für uns vier eine „private Villa“ gebucht. Lyndsey hatte gesagt, dass es ein Häuschen abseits des Hauptgebäudes sei. Dass esgroß wie ein Schloss ist, eine eigene Einfahrt und einen eigenen Briefkasten hat, fand sie wohl nicht erwähnenswert. Ich kann nicht glauben, dass diese Pimp-Villa ein Hostel sein soll. Wir wären glaube ich am liebsten alle in die Luft gehüpft, als Lyndsey die Tür aufgemacht hat. Und das Bett ist so dekadent… daher kann ich es mir gerade vorm Schlafen gehen nicht verkneifen euch noch ein bisschen neidisch zu machen. Aber ich möchte auch irgendwie verarbeiten was heute alles passiert ist. Es war nämlich ein echt ereignisreicher Tag.
Geweckt wurden wir vom Rauschen der Wellen… und nach einem schnellen Kaffee sind wir die Straße runter gefahren, wo auf einer Koppel schon Lonnie und ihre deutsche Assistentin Johanna mit gesattelten Pferden auf uns und ein deutsches Pärchen aus Berlin gewartet haben. Und dann ging es auch recht schnell los… jeder bekam ein Pferd, eins nach dem anderen… ich bin auf das geklettert, das Johanna als letztes von ganz hinten geholt hat – das sei Honey, Honey möge die anderen nicht wirklich und Honey würde gern rennen. Aber ich sei ja schon mal geritten, also wäre das alles kein Problem. Etwas mulmig war mir dann ja schon… aber Johanna hatte recht. Reiten ist doch wie Fahrradfahren, man verlernt es nicht. Und so hatte ich unglaublich schöne, besondere, entspannte, aber auch aufregende drei Stunden hoch zu Ross, weil Honey wirklich die gesamte Truppe auf Trab gebracht hat – im wahrsten Wortsinn. Lonnie und johanna waren auch sehr nett. Lonnie war früher Dressurreiterin, sogar im Nationalteam. Dann hat sie Rückenprobleme bekommen… und heute reitet sie mit Touris und ihren 30 Pferden am NInety Mile Beach. Ihr Mann reitet auch, der Sohn ist Jockey… ja, sie hatte wirklich einiges zu erzählen, ist sogar mit mir extra von der Gruppe weg, damit wir galoppieren konnten – ein echter Mädchentraum, an endlosen Stränden entlang galoppieren…. Ein Traum. Johanna kommt eigentlich aus Düsseldorf und ist schon drei Jahre in NZ, hat dort auch einen Freund und ich glaube die kommt nicht mehr zurück :) aber auch sie hatte natürlich einiges zu erzählen, auch wenn das auf englisch besser ging als auf deutsch.
Vielleicht muss Jörn mal selbst schreiben, wie es für ihn war. Ich war aber begeistert von Jörn, der mit Stute Tessa sogar galoppiert und ganz schön viel glücklich drein guckend durch die Gegend getrabt ist.
Reiten am berühmten Ninety Mile Beach war jedenfalls eine unvergessliche Erfahrung. Ich weiß wirklich, dass ich mich immer dran erinnern werde.
Nicht weniger spektakulär war der weitere Verlauf des Tages. Nachdem wir unseren sportlichen Einsatz (den Mädels tat alles weh) bei der urigsten Fressbude, die ich je gesehen habe (ein etwas zugedröhnter Maori hat einen Wohnwagen zum Schnellimbiss umgebaut, allerdings hat er noch nicht ganz raus, dass Mayonnaise in seinem Gemüsefach gefriert – der Snapper war aber trotzdem super) belohnt hatten, haben wir unsere Vorräte aufgefüllt und Mandy und Franzi haben sich entschieden, obwohl es schon drei Uhr war, noch 120 Kilometer zum Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt Neuseelands zu fahren. Ich gebe zu, erst war ich etwas skeptisch, ob das so eine gute Idee ist oder ob die beiden nicht lieber noch eine Runde schlafen sollten um ihre nächsten zwei Wochen gesund zu überstehen aber ehrlich, ich war so so so froh, dass wir gefahren sind und die beiden den toten Punkt, den wir irgendwie alle zwischenzeitlich hatten, überwunden haben.
Die Fahrt in die Nordspitze zieht sich endlos. Eine gewundene Straße führt über hundert Kilometer nur geradeaus. Man kann hier also, wenn man keine private Hauseinfahrt hat, wirklich nur nach Norden oder Süden fahren. Ein vollkommen unvorstellbares Gefühl. Etwa auf halber Strecke ist man dann auch von der Außenwelt abgeschnitten – kein Handynetz mehr. Das gibt es in Neuseeland zwar recht oft, aber auf der Strecke die zwischendurch kurz zur Schotterpiste wird, ist es irgendwie besonders bezeichnend.
Das Cape selbst ist ein magischer Ort. Wirklich der magischste an dem ich je war. Die Maori glauben, dass der erste Mensch in Neuseeland auf einem Wal geritten kam (die Legende des Whale Rider) – und dieser Wal ist nun am Cape gestrandet, in Form eines gigantischen Felsens, der tatsächlich etwas aussieht wie ein Blauwal oder Pottwal (dicker Bauch mit Schwanzflosse). Von hier, so glauben die Maori, verlassen die Seelen der Toten das Land. Ein Friedhof also, wenn man so will. Und zweifelsohne ist es ein spiritueller Ort. Die Klippen und Abgründe sind so steil, die Felsen so schroff, der Sand gleichzeitig so golden, die Bucht des Spirit Bay sieht aus wie gemalt, die Hügel sind geformt, als hätte man für die Form ein Sandförmchen benutzt und sie sind grün, als kommt die Farbe aus dem Malkasten. Es sind solche Kontraste! Am krassesten sieht man das im Meer, das, als wir da waren, sanft ausgerollt wie eine Plane aussah und nur an einer Stelle wilde Wellen geformt hat und zwar da, wo sich Pazifik und die Tasman See treffen. Ja, hier prallen zwei Meere aufeinander. Und wer – wie ich – immer gedacht hat Meer ist Meer, Wasser ist Wasser und sowieso die ganzen Weltmeere nicht so wirklich gut auseinanderhalten kann, der wird hier für immer eines Besseren belehrt. Die düstere, dunkle, tiefblau-grau-kalte-arktische Tasmanische See trifft den dagegen türkis-transparent wirkenden Pazifik und man sieht richtig, wie die Meere sich nach einer ersten rauen Begegnung in Form einer tosenden Welle, als ob Meer gegen eine Betonwand klatscht sah das aus, „vereinen“. Und das meine ich mit magisch. Es ist ganz schwer, das zu beschreiben, aber diese Kulisse lässt einen echt schweigen vor Ehrfurcht vor der Welt und der Natur. Wir waren so hoch über dem Meer, das Möwen, die über das Wasser geflogen sind aussahen wie weiße Ameisen und ich mir eingebildet habe, die Krümmung des Horizonts zu sehen. Und dann diese Landschaft… ich verstehe, dass das so ein bedeutender Ort für ein ganzes Volk, der Ankerpunkt einer Kultur ist.
Besonders schön ist zudem der kleine weiße Leuchtturm und ein Wegweiserschild, das auf gelben Pfeilen zeigt, wie weit es zu den Metropolen der Welt ist. Ein tolles Fotomotiv. Leider hat sich dann dort bestätigt, was ich schon oft gehört habe: Dass sich das Wetter am Cape innerhalb von fünf Minuten ändern kann. Obwohl wir also ohne viele Fotos vom sehnsüchtig erwarteten Wegweiser und bis auf die Unterwäsche durchweicht beim Auto angekommen sind – waren wir glaube ich alle doch ganz glücklich, dass wir die weite Fahrt noch auf uns genommen haben und dafür erst abends, sehr spät, inmitten von lauter über die Straße hoppelnder Possums (endlich haben wir welche gesehen!!! Aber die sind dick, unglaublich, wie ein fetter Kater und hoppeln mit krummem Rücken, sieht ulkig aus) in unserer Weihnachtsunterkunft, der Kahoe Farm, angekommen sind.
Dort hatten wir eine eigene Villa gebaut. Lydnsey und Stefano, denen Farm und Hostel gehöt, hatten mir erklärt, dass es sich um ein eigenes „Häuschen“ etwas abseits vom Haupthaus handelt. Das Wort Palast hatte jedoch niemand erwähnt! Wir haben eine riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiesige Küche, Wohnzimmer, Esszimmer, alles so (open-plan, also grossraeumig, offen, riesig), eigens großes Bad und zwei traumhaft niedliche Zimmer mit den bequemsten Betten unserer bisherigen Neuseeland-Reise. Das Farmhaus ist ein weißes Holzhaus mit dekadent riesiger Veranda und tollen Verzeirungen. Jörn hat die Einrichtung als rustikal beschrieben, wir Mädels finden das abwertend und möchten die dunklen, massiven Holzmöbel gern noch mit den Attributen „gemütlich“ und „authentisch“ versehen…. Ein Steinkamin, tiefe, weiche Sofas und ein niedlich geschmückter Weihnachtsbaum, haben dem dann noch die Krone aufgesetzt. Lyndsey und Stefano sind auch toll – nicht nur haben sie uns herzlich und lcoker empfangen obwohl wir erst um 11 pm dort angekommen sind. (Stefanos Spruch zu Jörn war übrigens „Man, you look even bigger under the moon, bro!“ – kleiner Italiener eben ;) ) sondern sie haben usn einfach so ihr Paradies zwischen Schafen, Kühen, einem Schwein und zahlreichen Katzen überlassen. Die perfekte Location zum Weihnachten feiern also, ich freue mich!
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