Schockiert, verwirrt, erstarrt, hilflos, machtlos und weit, weit weg. Besser als Joern es getan hat, koennte man wohl nicht beschreiben, was so in den letzten Tagen in unseren Koepfen vorgegangen ist und noch vorgeht.
Aus Respekt werde ich an dieser Stelle nichts privateres ergaenzen, ich denke das aufrichtigste hat Joern bereits gesagt.
Das heisst nicht, dass unser Leben einfach weiter geht, mit bunten Bildern und Partystimmung - aber ich versuche an dieser Stellle einfach, was wir in den letzten Wochen hoffentlich ganz gut geschafft haben - uns und euch alle fuer ein paar Minuten Auszeit vom Alltag zu goennen.
Vielleicht koennt ihr euch aber ja vorstellen, dass wir am Wochenende wohl die Krise bekommen haetten, wenn wir die Waende unseres Apartments angestarrt haetten.
Es war also sicher ganz gut, dass wir mit Jasmin (eine der engsten Bezugspersonen, die wir vom Stammtisch kennen) das Wochenende gemeinsam geplant hatten.
Samstag ging es nach Raglan, DER Surferstadt Neuseelands, etwa 200km suedlich von Auckland an der Westkueste.
Eine endlos lange Strasse durch drei-Haeuser-Doerfer, vorbei an drei Tankstellen und 3000 Schafen hat uns nach Raglan gebracht. Die Fahrt war sehr kurzweilig, was nicht nur an gutem Kaffee und schoener Landschaft, sondern auch, ganz ehrlich, an unserer netten Begleitung lag.
Unser erster Stopp waren die Bridal Veil Falls - nein nicht der kleinste Wasserfall der Niagara-Faelle. Ganz so spektakulaer war unsere Raglan-Version sicherlich nicht. Aber der 55 Meter tiefe Fall eins Bachs in einen Bach mit ganz schoen reissender Stroemung war der bislang groesse, rauschenste Wasserfall, den wir gesehen haben.
Leider war es etwas bewoelkt, weswegen die Fotos und auch unsere Eindruecke etwas duester waren. Aber die breite Felswand war eine perfekte Kulisse um unser spektakulaeres Weitwinkel-Objektiv einzuweihen.
Angetrieben von Hunger (mittlerweile sind wir so verwoehnt, wir essen nur noch mit Meerblick :) ) und auf der Suche nach einer Tankstelle, sind wir dann in das Fischeroertchen reingefahren. Die "Main Street" fuehrte an einer Hand voll Haeusern, mehreren Kreisverkehren und (juhu) einer Tankstelle mit Shop (der Supermarkt des Orts....) vorbei.
Die Whale-Bay soll Raglans Surferbucht No. 1 sein, also dachte ich, das sei bestimmt ein toller Ort, um unser Lunch-Paket auszupacken. Joern hat sich an der Tanke den Weg erklaeren lassen - links im Kreisverkehr, ganz einfach.
Im Verlauf des Tages dachten wir die naechsten etwa fuenf Stunden wir haetten uns verfahren. tatsaechlich haben wir abends um neun erfahren, dass dieser Surfer-Strand so unspektakulaer und leer war, dass wir einfach vorbei gefahren sind - also war unser Abeneteur-Trip, der uns auf der Suche nach der Whale-Bay etwa zwei Stunden ueber die Gravelroad geschickt hat, durch Wasser hindurch (ja, wirklich, an einer Stelle fleisst ein knoecheltiefer Wasserlauf mitten ueber die einzige Strasse und die Stroemung ist auch stark, weil's ganz schoen bergab geht...) und einem Stueck abgebrochener Felswand (Warnschilder gabs zwar, aber ernst genommen haben wir's nicht...) die wir umfahren haben, an der Kueste entlang. Toll war neben dem Indiana Jones-Feeling vor allem die Aussicht. In Serpentinen ging's einen Berg hoch und rechter Hand hatten wir freien Blick auf bewaldete und begruente Felsvorspruenge, friedlichstes, blaustes Meer, eine endlose Kuestenlinie und pure Idylle. Mein Reisefuehrer sagt wir sind 25 Kilometer gefahren - ich glaube wir waren zwei Stunden unterwegs. Aber es war der Hammer.
Auf einem Felsvorsprung, auf dem wir nette Kanadier getroffen haben, die sich ueber das sommerliche NZ (wir hatten bestimmt 25 Grad) gefreut haben, haben wir dann unsere Campingstuehle aufgebaut. Es war zwar etwas steil (beim Versuch eine Banane aus dem Rucksack zu holen bin ich samt Stuhl umgefallen :) ) aber das war der bislang grossartigste Ausblick unserer Reise. Wir waren alle geflasht. Und so gut hat das deutsche Bauernbrot mit Kaese und Putenbrust noch nie geschmeckt :) pures Lebensglueck solche Momente. Und der perfekt blaue Himmel mit seinen wenigen mini-Woelkchen und die maehenden Schafe auf steilen, gruenen Huegeln haben ihr Uebriges getan.
Da wir ja immernoch dachten wir haetten uns verfahren, sind wir weiter an der Kueste entlang gefahren, bis wir irgendwann an einen einsamen Strand gekommen sind. Schwarzer, feiner, pudriger Sand, mit Muscheln bewachsene Felsen an denen sich mehrere Seesterne festgehalten haben und eine tiefstehende Sonne, die sich im feuchten sand gespiegelt hat... das war echt perfekt. So schoen. Ich glaube das war der Moment, in dem wir alle drei bereut haben, kein Hostel gebucht zu haben um einfach noch nen Tag nur an diesem friedlichen fleckchen verbringen zu koennen. Ruapuke, die zwei Huegel, heisst der Strand, haben uns ein paar surfer erklaert. Ein echter Geheimtipp.
Nach zwei Stunden, die vergangen sind wie zwei Minuten, sind wir nach Raglan zurueckgefahren, um den mysterioesen Whale Bay (da sollte doch schliesslich der schoenste Strand sein!) zu finden.
Als wir verstanden haben, dass wir dort bewusst vorbei gefahren waren, weil es felsig und nicht soooo schoen war, waren wr nateurlich etwas enttaeuscht. Aber das zeigt eben: Auch Lonley Planet weiss nicht alles :) und manchmal sind die schoensten Trips die, die nicht geplant waren.
Ich hoffe wir waren nicht zum letzten Mal in Ruapuake.
Da Raglan zwar echt ein Nest ist, aber es dort ein echt schones Backpacker zu geben scheint, hoffe ich echt, diese Idylle noch mal ausnutzen zu koennen. Ein absolutes Highlight.
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