Wirklich, es sind immer die Deutschen, die sich daneben benehmen, laut sind, unfreundlich, Mül wegwerfen… die einzigen die mir noch suspekter sind, sind Asiaten, die waren nämlich auch alle dreckig, also alle, die ich getroffen habe… aber das ist eine andere Geschichte. Die sind zumindest alle ruhig. Wenn jemand durch das Vogelgezwitscher und Meeresrauschen brüllt sind es unter Garantie Deutsche. Neuestes Beispiel eine wahrscheinlich frisch gebackene Abiturientin brüllt abends durch den Garten „Boah, meine Mudda wird fuffzig, aber ich hab voll kein Bock da anzurufen, die gehen mir alle so auf’s Arschloch, ey, ja ehrlich ey!“, abends hat sie das Zimmer neben uns: „Ey, hier bei euch aufm Boden pennen ist echt noch besser als bei der Simone, die hat sich so scheiße benommen, ey, ja ehrlich ey!“ und morgens: „ey hier stinkt’s voll alter, ehrlich ey…. Ey isst du schon wieder ein Ei? Ey, du hast doch gestern erst eins gegessen!“ Ich hätte am liebsten mein Ei auf ihrem hohlen Kopf aufgeschlagen…
Soweit der Exkurs… also, gut, dass keine anderen Deutschen da waren… nette Amis, Franzosen, Schwedinnen – super. Außerdem war das Durchschnitssalter höher. Was da zehn Jahre ausmachen. Wir waren die Jüngsten würde ich sagen, sonst sind wir eher bei den älteren oder im Durchschnitt. Viele kommen einfach direkt nach dem Abi oder eben so mit mItte 20. Die Hopewell Touris waren keine Backpacker… ältere Leute, mitte fünfzig, die wandern wollten. Oder Pärchen Mitte 30 auf Honeymoon oder Kunstreise (eine aus San Fran wollte in NZ Sachen für ihre Kunstgalerie bestellen, keine Ahnung was sie hier finden will, aber sie war sehr nett J ) die Atmosphäre war einfach schön.
Aber das nächste Ziel sollte auch schön sein. Der Abel Tasman National Park, weiter im Westen, immer noch an der nördlichen Küste der Südinsel. Nach vielen Fotos am Straßenrand, einem Kaffee- Tank- und Supermarktstopp in Nelson haben wir uns sehr gefreut, auf einen der angeblich idyllischsten Orte des Landes, so heißt es. Denn niemand lässt den unberührten Tasman-Park mit unzähligen Wanderwegen (für die man aber keine Ausrüstung braucht, feste Schuhe reichen) zahlreichen Buchten und faszinierendem Wildlife aus. Entzaubert wurde unsere Vorfreude von der Unterkunft… ein winziges Zimmer (ich weiß heute noch nicht, wie wir drei Reisetaschen untergebracht haben) Outdoor Toiletten und Duschen, rustikale Küche… man hat einfach gemerkt, dass jeder in den Tasman Park möchte – und die Unterkünfte einfach alle gebucht werden und sich keine Gedanken machen müssen. Vor allem in Marahau, unserer Ausgangsstation, von wo die Wassertaxis fahren. Aber hey, Campingplatz, was soll’s.
Gott sei Dank habe ich mich im Isite in Nelson noch beraten lassen, wie wir unseren ersten Tag verbringen könnten – denn anders als ich es mir gedacht habe, müssen alle Wassertaxis vorgebucht werden, vor allem in der Hauptsaison. Also haben wir abends adhoc noch schnell eins gebucht das uns zur Tonga Bay Richtung Norden fährt und an der Torrent Bay zwölf Kilometer südlich, wieder abholt.
Das erste Abenteuer war die Wassertaxi-Fahrt selbst. Etwa zehn Leute sitzen in Schwimmwesten in einem Boot und lassen sich durch die Gegend schaukeln, vorbei an einem Felsen, der aussieht wie ein zerteilter Apfel (Split Apple Rock) und an der Tonga Island, wo eine Seehundkolonie wohnt, die wir sehen konnten. Der Kutscher hat auf den 45 Minuten Fahrt dabei ganz schön Gas gegeben – wir haben uns ein bisschen gefühlt wie im Jetboot und auf einmal haben die Schwimmwesten auch Sinn gemacht. Aber es war total genial. Die Sonne hat geschienen und Wind hat uns ins Gesicht geblasen und man düst vorbei an unzähligen Kayakern, weißen Sandbuchten, goldenen Stränden, Felswänden und der Seehundkolonie. Auf einmal hat der „Taxifahrer“ angehalten – und nach rechts ins Wasser geschaut. Und da schwamm ein kleiner blauer Pinguin. Direkt neben uns im Wasser auf dem Bauch, trieb er ganz friedlich über das klarste türkisblaue Wasser, das ich je gesehen habe… in der nächsten Bucht sind wir dann noch an einer Gruppe riesigen Rochen vorbei gefahren, die man richtig gut sehen konnte, weil das Wasser sehr lang sehr flach war und man bis auf den Grund gucken konnte, auch mitten auf dem Meer, das fast keinen Wellengang hatte, so windstill war es.
Zusammen mit einer Profi-Kayakerin aus Australien und ihrer ebenso breitschultrigen Tochter wurden wir dann fast bis zum nördlichen Ende des Parks gefahren. Von dort aus sind wir bewaffnet mit Sonnencreme, Anti-Brumm (gegen fiese Sandflies hilft nur das empfohlene Mittel des Tropeninstituts, die kleinen Mistviecher stechen nicht, sondern beißen und es blutet sofort. Sehr nervig. Robert war nach seinem Trip besonders gezeichnet, ich glaube seine Stiche und Bisse konnte man nicht mehr zählen. Dagegen sah ich mit etwa 20 noch gut aus. Nur Jörn haben sie, warum auch immer, verschont…) und einem Lunch-Paket sind wir dann knapp 13 Kilometer durch die Botanik gewandert.
Ich habe mich gefühlt wie in einem künstlich angelegten Tropenhaus im Frankfurter Palmengarten. Man stapft über mal weicheren (Nadeln, Rindenmulch) und mal härteren (Steine, Wurzeln) Boden und direkt neben einem wachsen Pflanzen, die perfekt in die Filmkulisse von Indiana Jones passen würden… es sah übrigens nicht nur aus wie in den Tropen, es hat sich auch so angehört. Das Zirpen von Grillen, Heuschrecken & Co. War so laut, dass wir, wenn man mal wieder an einer Bucht rausgekommen ist, echt ein taubes Gefühl auf den Ohren hatte. Schon urig. Krasser als erwartet fand ich auch die Klimaschwankungen. Es war ein sommerlicher Tag, klar. Aber am Meer weht immer leichter Wind und es ist angenehm – im Busch kann’s richtig drücked werden, manchmal auch feucht und drückend. Klar, ohne Feuchtigkeit kein Regenwald. Aber nach einem Tag im Busch wussten wir schon was wir getan haben, so körperlich, mit Rucksack auf dem Rücken und bergauf bergab. Abends hat die Dusche echt gut getan. Das war glaube ich auch der Tag, an dem ich realisiert habe, dass ich diese kleinen Walks, die es in Neuseeland überall gibt, Wanderungen von bis zu drei Stunden Länge, sehr gern mache und sehr genieße – aber dann reicht es auch. Mit 20-Kilo-Rucksack durch den zirpenden Regenwald und dann Wasser abkochen wegen Bakterien und in einer Holzhütte ohne Facilities (Toiletten & Co.) schlafen – nein das brauch ich nicht. Abends frisch geduscht noch was kochen und mit Kaltgetränken auf der Veranda sitzen, das ist auch Teil der Entspannung…
Abends waren Rob und Jörn übrigens noch im Meer schwimmen, da war’s mir schon zu kalt. Das geht echt schnell, sobald die Sonne weg ist. Sie sind zum Split Apple Rock geschwommen, einem beliebten Fotomotiv. Ein riesiger, runder Stein, der aussieht, als sei er in zwei Hälften zerbrochen, wie ein in der Mitte durchgeschnittener Apfel. Für die Fotos hat es sich gelohnt finde ich. Was die beiden nicht gemerkt haben, war das direkt neben ihnen die Kormorane geschwommen sind. Wie das aussah! Alles voller langhalsiger schwarz-grauer Vögel, die im Wasser paddeln und neben den beiden immer wieder abtauchen… toll.
Entspannung ist an diesem Tag, an dem wir ständig auf die Uhr geschaut haben, um ja den Abholtermin des Wassertaxis nicht zu verpassen, auch irgendwie zu kurz gekommen. Also haben wir uns am nächsten Tag dafür entschieden, eine Runde mit dem Wassertaxi zu drehen, durch den ganzen Tag und uns an einem Strandabschnitt (Anchorage Bay) den wir am Tag vorher nicht gesehen haben, rauswerfen und am Nachmittag wieder abholen zu lassen. Die Fahrt mit dem Wassertaxi war wieder toll. Etwas holpriger als am Tag zuvor und auf dem Rückweg bin ich richtig nass geworden, aber es war echt wie eine eigene Tour, dafür, dass es „nur“ unser Transport in den Park war. An der Tonga Island haben wir wieder zahlreiche Seals gesehen und sind bei strahlendem Sonnenschein ausgestiegen. Jörn und ich waren dann schwimmen – toll. Ich meine, das war das klarste Wasser, das ich je gesehen habe. Reiseprospekt-Feeling pur. Da nicht schwimmen zu gehen, zumal das Wasser echt ruhig und auch gar nicht so kalt war, wäre eine Sünde gewesen. Danach sind wir noch zu einem einsamen Strand spaziert, den der Wassertaxifahrer uns empfohlen hatte. Und er hat echt nicht zu viel versprochen – ich meine schaut euch die Fotos an….
Der Abel Tasman National Park ist wohl das schönste Fleckchen Erde das ich bislang gesehen habe. Der Schlenker gen Westen hat sich 10000% gelohnt. Und auch, dass wir keine Mehrtageswanderer sind haben wir gelernt… manche Dinge ändern sich auch hier nicht :) Der Campingkocher bleibt also schön im Kofferraum.
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