Dienstag, 23. Februar 2010

Pinguine und Hector Delfine: Auf dem Weg zum Kiwi-accent in Akaroa und der Banks Peninsula 2./3.2.

Akaroa und die Banks Peninsula 2./3.2.
Nach zwei Tagen Christchurch hatten wir uns etwas geordnet. Die Einkäufe waren aufgefüllt, das Auto neu sortiert und gewaschen, wir haben mal wieder ein paar Fotos hochgeladen und unsere Fotos auf dem Rechner sortiert, Jörn war beim Frisuer, ich hatte mal wieder gearbeitet und wir haben uns um andere organisatorische Dinge gekümmert, zu denen wir vorher einfach nicht gekommen sind. Irgendwie hat sich alles wieder „sortierter“ angefühlt. Nach einem tollen frisch gebackenen Brot in einem tollen Hostel, haben wir uns auf den Weg in die 30 Kilometer entfernte Banks Peninsula gemacht.
Die Szenerie auf der Fahrt war schon atemberaubend. Die Halbinsel ist durch insgesamt drei Vulkanausbrüche entstanden; erst der letzte machte die vorherige Insel zur Halbinsel und dockte ans Festland an. Vielleicht ist deshalb der landschaftliche Kontrast zu Christchurch und der Canterbury-Gegend auch so groß. Auf den vielen steilen Hügeln und Bergen, die obwohl sie dicht mit braunen Gräsern bewachsen sind kahl wirken, kann man noch die dicken Furchen und Spuren der Lava sehen. Die Berge sehen auch wirklich noch aus wie riesige Vulkane, mit steilen Tälern und halbmondartigen Meeröffnungen und Mündungen zu allen Seiten. Unglaublich viele Strände, Buchten, aber auch felsige Steilküsten führen zum Meer. Richtig wild. Schwer zu beschreiben.
Die ersten beiden Nächten haben wir in einem tollen Hostel an einer Art Privatstrand (da wohnen nur fünf Parteien mit Häusern und sonst verirrt sich dort niemand hin) verbracht. Willem und Tinker, zwei Holländer, die hier ihr Glück gefunden haben, haben wirklich eines der schönsten Backpacker, in dem wir bis jetzt waren. Ein riesiges Esszimmer/Lounge mit offener Küche und Kücheninsel.
Toll fanden wir auch, dass es nur drei Zimmer gab, die dafür richtig groß waren, das hat sich echt angefühlt, wie in einem eigenen Haus zu wohnen. Vor allem, weil tatsächlich kaum je jemand da war… meine Lieblingsgeschichte aus dem Hostel ist aber nicht, dass wir wieder genial Muscheln geerntet und gekocht haben (mjamm… wir sind jetzt Experten…) auch nicht, dass wir unzählige Krebse gesehen haben, die sich im Watt herumgetrieben hatten (Jörn hatte kurzzeitig welche adoptiert und Freunde gefunden, bis sie sich bei der ersten Gelegenheit im Sand vergraben haben) nein, das tollste war für mich rückblickend, dass Willem mich gefragt hat, wie lange wir jetzt in NZ wären, ich hätte so einen Kiwi-Accent! Den hätte er nach zehn Jahren noch nicht :) ich bin offiziell keine Kanadiern mehr! Ich bin ein Kiwi :)
Aber es gibt auch wieder glorreiches aus der Wildlife-Welt zu berichten.
Wir haben nämlich eine Bootstour und eine Farmtour gemacht. Die Bootstour konnten wir wegen eines kleinen Unglücks sogar umsonst machen - (das Segelschiff das wir gebucht hatten, konnte wegen niedriger Ebbe nicht auslaufen, als ich Skipper Roy einen vorgejammert hatte, dass wir uns so gefreut hatten, hat er uns kurzfristig bei einem anderen Touri-Boot untergebracht, for free) und hat uns nicht nur einen blauen Pinguin und hunderte Seals vor die Kamera geholt, sondern auch Hector Delfine, die kleinsten Delfine der Welt (werden nur etwa einen Meter lang) von denen es auch nur noch wenige Tiere gibt. Ein sehr besonderes Erlebnis. Noch faszinierender fanden wir allerdings die Landschaft. Mit dem Motorboot sind wir durch Höhlen und mitten in den Vulkanfels reingefahren – das war irre. Teilweise wurde hier der Stein einfach vom Wasser ausgespült und es entstehen die faszinierendsten Gebilde. Auch die extremen Steilküsten waren beeindruckend. Heute sind sie bis zum letzten Meter bevor sie ins Meer abfallen begrünt, aber man kann sich schon irgendwie vorstellen, welche Kräfte da mal gewirkt haben müssen, dass das so entstanden ist… Filmkulissen-Szenerie pur ist das hier. Auch wenn Peter Jackson dort ausnahmsweise noch keine Kameras aufgebaut hat.
Genial war die „Farmtour“. Stellt euch vor, wir kommen nach einer Stunde Offroad-Fahrt (wir wurden in der Stadt abgeholt, unser Auto hätte die Strecke niemals bewältigen können, außerdem war die Hälfte privates Land) an einem Farmhäuschen aus Holz an, simpel, der Anstrich vergilbt, nicht allzu groß, inmitten von Schafen und Hühnern, die sich streicheln lassen – ja, die gehen die Herzen der Stadtkinder auf – und gepflegten Gemüsebeeten an und das erste was richtig ins Auge sticht, ist ein Meerschweinchen-Gatter. Zumindest sah das für meine früher in etwa so aus. Hinter einer behangenen Wäscheleine war dort dieser Auslauf mit Napf und riesigem Holzhaus. Ich dachte sofort Meerschweinchen :) aber da hatte ich mich gewaltig getäuscht, denn dort wohnt zurzeit ein Baby Pinguin. Ja, Pinguin! Ein white finned penguin, wie der auf deutsch heißen soll, weiß ich nicht. Jedenfalls wie der blaue Pinguin ein Zwerg, maximal 30-40cm groß, maximal ein Kilo schwer. Wir hatten an diesem Abend das Glück, die größte Kolonie der Pinguine näher kennen zu lernen, die wohnt nämlich auf dieser Traditionsfarm :) und eben der Babypinguin aus dem Meerschweinchen-Käfig war bei der privaten Tour unsere erste Begegnung. Leider haben die Eltern aufgehört sich um ihn zu kümmern und so kriegt er liebevolle menschliche Zuwendung, viel Fisch und eine Dusche mit dem Gartenschlauch…. Wie das aussah!! Immer, wenn sich mal jemand von uns über eine Nichtigkeit ärgert, wie jemand, der uns die Vorfahrt nimmt oder eine besetzte Toilette im Hostel oder so, dann sagen wir jetzt immer „denk an den duschenden Pinguin“ und die Welt ist wieder in Ordnung, wenn ihr das Video gesehen habt, wisst ihr warum. Ich hoffe wir können es bald hochladen.
Bei einer Wanderung durch die Farm und hunderte Pinguin-Behausungen (das sieht aus Pinguin-Hobbiton, lauter Holzboxen in grüne Hügel eingebaut) konnten wir die niedlichen Vögel sehr nah sehen und sogar fotografieren. Toll. Man merkt, die sind Menschen gewohnt, schließlich haben sie sich diesen Ort ausgesucht. Und die Farmerin kümmert sich sehr liebevoll um kranke und verstoßene Pingus. Richtig magisch war allerdings die Begegnung mit anderen Pinguinen, den Gelbaugen-Pinguinen, den seltensten Pinguinen der Welt. Es gibt angeblich nur noch 4000 von ihnen und 2000 leben in Neuseeland, der Rest zwischen NZ und Arktis, auf vorgelagerten Inseln usw. zwei von ihnen sind in der Dämmerung gerade vom Tag auf dem Meer zurück gekommen und sind den Berg hoch in ihren Unterschlupf gewackelt. Toll. Eine echt besondere Tour. Das ist Neuseeland. Da wackeln die Pinguine durch den Backyard und die Bauern machen sich sorgen, dass sie ausgerechnet im Blumenbeet nisten wollen, wie ein Paar dieses Jahr, das dafür das Beet umgegraben hat :) aber Aussicht auf’s Pinguin-Nest vom Küchenfenster, das wär doch was, oder?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen