Aus Marahau am Abel Tasman National Park ging es mit einem kleinen Zwischenstopp in Nelson (nicht nur lebenswerteste sondern auch sonnigste Stadt Neuseelands laut Statistik) nach Kaikoura, wieder an die Ostküste der Südinsel. Schon nachdem wir die Weinhochburg rund um Blenheim (das erste Mal, das wir weder Schafe noch Kühe gesehen haben, weil alles voller Weinreben war) ¬-verlassen hatten, fanden wir uns in einer völlig anderen Szenerie wieder. Die Südinsel ist wirklich ganz anders als die Nordinsel. „A new Scenery for every hour of driving“ sagen selbst die Locals – und das stimmt. Binnen einer Stunde kommt man aus dem Regenwald in die Großstadt, aus dem Weideflachland ins Schneegebirge und aus türkis-blauem Meer in tosende, tiefblaue Wellen… Rob hat sehr treffend gesagt, die Südinsel sei wie die Nordinsel nur… mehr. Und das stimmt auch – denn es ist alles noch höher, größer, weiter, farbenfroher, endloser, einsamer… nach dem Tasman Park, den Marlborough Sounds und auf der Fahrt nach Kaikoura haben wir glaube ich erst wirklich angefangen das Wert zu schätzen und zu verstehen, warum die meisten eigentlich nur zur Südinsel fahren. Hier ist das „echte“ Neuseeland. Die richtig grünen Hügel. Die richtig vielen Schafe… und richtig viele Fur Seals, dieses Mal, direkt am Straßenrand, genauer gesagt neben dem Highway. Eine dicke Pelzrobbe nach der anderen liegt faul in der Sonne nicht einmal zehn Meter vom Highway 1, der meistbefahrenen Straße des ganzen Landes entfernt. Begeistert haben wir ein Foto nach dem anderen gemacht. Das kann man glaube ich nicht wirklich beschreiben. Erst habe ich etwas am Horizont aus dem Wasser hüpfen und wieder eintauchen sehen und dachte sofort: „Delfin“. Also haben wir angehalten und geguckt – und eine Robbe nach der anderen gesehen. Und eben diese hüpfende Robbe, die genauso gesprungen ist wie ein Delfin, mit rundem Rücken. Sah das niedlich aus. Als wir dachten wir hätten die Entdeckung des Tages gemacht, kam ein leuchtendes, orangenes Warnschild, das die Fur Seals für vier Kilometer angekündigt hat… und tatsächlich, fast bis zum Ortseingang lag eine Robbe neben der anderen…
Kaikoura hat eine Besonderheit, seine Lage. Denn der Ort, der eigentlich nur aus einer Straße, einer Tankstelle, einem Supermarkt und 50 Unterkünften besteht – typisch neuseeländisch-unspektakulär – hat sich zu Nutze gemacht, was ihr vor 20 Jahren noch zum Verhängnis wurde. Wale. Kaikoura war eine Walfang-Stadt. Wie nirgendwo sonst (angeblich) kommen nämlich insbesondere Pottwale, aber auch Blauwale und Buckelwale, nah ans Festland heran. Denn die Kaikoura Ranges, ein beeindruckenes im Winter schneebedecktes Gebirge fällt nicht nur überirdisch, sondern auch unter dem Meeresspiegel steil ab. Von jetzt auf gleich auf 1800 Meter – und dann immer weiter. Die Locals sagen „Canyon“, also der Unterwasserberg. Und dort strudeln wohl warme und kalte Strömungen durch und die bringen eine Menge Walfutter mit. Direkt an der Kante gibt es Krill en masse. Und als der Walfang verboten wurde hat die Gemeinde des armen Fischerdorfs auf Tourismus umgerüstet. Mit Erfolg – auf der Südinsel kommt man an Kaikoura nicht vorbei.
Da es dort aber nicht nur Wale zu beobachten gab, haben wir während unseres Aufenthalts auf drei Booten die Wildnis erkundet. Auf einer Wal-, einer Delfin- und einer Albatross-Tour.
Die Waltour: Pottwale, das war das Ziel der professionellen Waltour, dem Aushängeschild des Orts. Wie beim Flughafen Check-in mit mindestens so viel Personal (es war wirklich sehr professionell) wurden wir auf unsere besondere Begegnung vorbereitet. Nachdem wir schon vom Ufer aus schwarze Schatten am Horizont fotografiert hatten, von denen ein älterer Mann mit Fernglas behauptet hat, es seien Orcas gewesen, waren wir natürlich total aufgedreht. Nach einer Video-Präsentation ging es also in dem bequemsten Passagierschiff in dem ich je gesessen habe (Kunstledersitze und Beinfreiheit ohne Ende) auf’s Meer. Unser Guide hat wirklich eine Menge erzählt und immer wieder angehalten, damit wir auch andere Meeresbewohner (Delfine, Albatrosse, Seals & Co.) in Ruhe fotografieren konnten, während der Kapitän immer wieder mit einem großen Tuba-Form-artigen Rohr ins Meer gelauscht hat und angeblich nach den Geräuschen der Wale den Kurs geändert hat. Mit Pottwalen verhält es sich so, sie tauchen für etwa eine Stunde ab, essen, jagen, schlafen usw. bevor sie für etwa zehn bis zwölf Minuten an die Oberfläche kommen, Luft holen – und eben wieder abtauchen. Dass in Kaikoura schon mal ein Walboot keinen Wal gesehen hat, haben wir noch nie gehört. Also haben wir nur gewartet, wann er auftaucht und wo. Als wir dann einen „alten Bekannten“ gefunden haben, einen Wal der seit Jahrzehnten an der Küste vorbei kommt, wurde es auf einmal ganz still auf dem wuseligen Boot. Der Guide hat aufgehört Mikro-Durchsagen zu machen, die Leute haben aufgehört sich zu unterhalten…. Man sieht diesen riesigen grauen Berg, der immer wieder prustet und Wasser aus seinem Atemloch bläst und kann aber eigentlich nur erahnen wie groß er wirklich also unter Wasser ist… dieser Wal hat geschlafen übrigens. Das hat die Crew daran erkannt, dass er ständig mit offenem Mund über Wasser getrieben ist, in sehr langsamen Abständen geatmet hat und sich sowieso mehr wie ein Uboot als wie ein Wal verhalten hat :) es war giantisch, der Wal war gigantisch. Und als nach zehn Minuten die große Flosse im Meer verschwunden ist, waren wir schon überwältigt. Bis auf einmal vier dicke schwarze Flossen im flachen Wasser aufgetaucht sind und der Guide nur gefragt hat, ob jemand wüsste, was die größte Delfin-Art sei…. ORCAS! Das besondere, die Orca-Familie, zwei große und ein Kalb (ja, die sagen tatsächlich Kalb… komisch oder?) waren mit einem Delfin gemeinsam unterwegs. Der Delfin hat sich auch genauso benommen wie die Killerwale… ich frag mich, ob er sich wohl auch für einen gehalten hat. Denn dass Orcas Delfine essen, gelegentlich zumindest, und eigentlich nur Junge, das hat er sicherlich nicht gewusst. Also eine ganz besondere Begegnung.
Die Albatross-Tour:
Sehr spontan, nämlich fünf Minuten vor der geplanten Abfahrt, haben wir die Albatross-Tour gebucht. Wir hatten gehört, dass Kaikoura zu den Orten gehört, in denen man die beste Chance hat einen Blick auf die majestätischen Vögel zu erhaschen. Und da wir schon auf dem Walboot ein paar kleinere Albatrosse gesehen hatten, die uns so sehr fasziniert haben, dachten wir, wir sollten der Tour eine Chance geben :) da wussten wir allerdings nicht, was uns erwartet… Unser Guide Gary hat nur uns drei mit auf sein Boot genommen – tatsächlich hatte sonst niemand an diesem sonnigen Mittag die Tour gebucht. Wir haben uns echt sehr special gefühlt, als wir uns auf dem Boot auf dem bestimmt 20 Leute Platz gehabt hätten, zu dritt ausgebreitet haben. Mit Vollgas ging’s raus auf den Pazifik und schon bald sahen wir die ersten Vögel. Jörn hat sich etwas erschrocken, als eine Seemöwe rumpelnd auf dem Boot gelandet ist. Gary klärte auf: Das sei „Bill“, der meint das Boot gehöre ihm… und tatsächlich ist die Möwe keine Minute vom Boot verschwunden und hat versucht es tapfer gegen größere Vögel zu verteidigen… und die kamen, in Scharen. Das lag nicht an unserer tollen Ausstrahlung, sondern am Futter das Gary dabei hatte und in einer Art Käfig ins Wasser gelassen hat.
Besonders beeindruckend war natürlich der „Wandering Albatross“, der größten Vogel der Welt, der neben unserem Boot geschwommen ist und um Futter gebettelt hat, wie eine Ente… fünf große Albatrosse haben wir gesehen, bestimmt noch mal zehn kleinere und alle möglichen Wasser- und Seevögel auch irgendwelche tropischen Petrels, die sich angeblcih verflogen hatten… netterweise hat uns Gary eine Liste von unserem Wildlife Encounter gemacht und angekreuzt und gezählt, wie viele Tiere wir wirklich gesehen haben, ihr merkt ja, ich weiß das jetzt schon nicht mehr.
Das beeindruckenste an der Albatross-Tour waren aber nicht nur die gigantischen Vögel… hinterher haben wir den Trip „Wildlife Encounter“ genannt, weil nachdem Gary das Futter ins Meer gekippt hatte, ging es erst richtig los… wir haben einen Sunfish gesehen (dt. Mondfisch, lustig oder?) von dem ich nicht einmal wusste, dass sowas existiert… unzählige Fur-Seals, einen Pinguin, einen Delfin und: 18 Orcas. So sagt das Protokoll. Unglaublich, die riesigen Killerwale sind immer wieder direkt neben unserem Boot aufgetaucht, ein kleiner ist sogar gehüpft. Da hat Gary sogar seine Kamera ausgepackt und angefangen zu fotografieren… ich weiß gar nicht, wie ich diese Begegnungen beschreiben soll… erst sieht man nur eine Flosse, oder einen Wasserstrahl und auf einmal sieht man immer mehr von diesem gigantischen Tier. Und sie waren wirklich nur wenige Meter vom Boot entfernt… ich habe hunderte Fotos gemacht. Aber keins gibt wirklich wider, was iwr da erlebt haben… die Tour war mein Highlight in Kaikoura.
Delfin-Tour: Spontan haben wir uns entschieden, uns die Dusky Dolphins auch noch näher anzuschauen. Bevor wir Kaikoura verlassen haben, sind wir mit einem dutzend jungen Leuten in Schnorchel-Outfit, die schon Wochen vorher einen Delfin-Schwimm-Trip gebucht hatten, in Richtung einem „Pod“ Dolphins gefahren… während die Schwimmer quietschend im Wasser geplantscht haben und den Delfinen wirklich nahe gekommen sind (zum anfassen nahe… die ganze Zeit…) haben wir uns mit der Beobachtung begnügt. Sowas habe ich wirklich noch nie gesehen. Unser Schiff war inmitten von 400 Dusky Dolphins, die vor Kaikoura in gigantisch großen Gruppen leben. Die Guides behaupten die Duskys seien die akrobatischsten ihrer Art und tatsächlich habe ich noch nie so viele Delfine so irre herum hüpfen sehen. Ich glaube ein Delfin im Zoo wird mich nie wieder beeindrucken können, wenn man die Tiere einmal so in freier Wildbahn erlebt hat, wie sie um die Aufmerksamkeit ihrer Artgenossen und auch die der Menschen betteln… planschen… hüpfen und angeben… Salti machen… und mit dem Boot schwimmen. Unglaublich. Und so viele! Man weiß echt gar nicht in welche Richtung man fotografieren soll! Irgendwie kann ich jetzt jedenfalls verstehen, warum es Leute gibt, die Wochen vorher buchen und mehr als 100 Dollar bezahlen, um mit diesen Delfinen ins Wasser zu hüpfen… unvergleichlich.
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