Samstag, 3. Oktober 2009

London calling – London cancelled





Unsere nicht alltägliche Reise befreit uns nicht von alltäglichen Gesetzen.
Das lerne ich nicht nur aus der Tatsache, dass ich um fünf Uhr morgens Ortszeit „gejetlagged“ in der amerikanischen Dunkelheit sitze und dass wir natürlich sofort von einem amerikanischen Cop verwarnt wurden, weil wir einmal suchend am Straßenrand gehalten haben – sondern das trifft vor allem auf unseren, nennen wir es etwas unorthodoxen, Abflug in Düsseldorf zu. Also zum Anfang. Den Abschied habe ich als komisch und unwirklich empfunden. Schließlich war alles so lang besprochen, dass es an sich nichts mehr zu sagen schien. Trotzdem war es doch komisch nach zwei Stunden Dösen Mittwochmorgen die Wohnungstür zu schließen. Am Düsseldorfer Flughafen dann der Supergau: weltweit war in der Nacht die komplette EDV abgeschmiert und das Bodenpersonal hat Bordpässe im Einkaufszettel-Look handschriftlich ausgefüllt. Dass das bei zwei Lufthansa-Mitarbeitern und Flügen im 20-Minuten-Takt unmöglich hinhauen kann, hat sich für mich spätestens dann heraus gestellt als eine Frau am Check-in-Schalter abgeführt werden musste, weil sie auf die LH-Mitarbeiterin losgegangen ist… nach einem Vorgeschmack auf Krisensituationen (auch brave Deutsche stellen sich in Ausnahmesituationen dann nämlich nicht mehr in der Warteschlange an, sondern kämpfen mit ihrem Trolley als einziger Waffe als ginge es um ihr Leben) war unser Flug weg – obwohl wir zwei Stunden mit Sack und Pack am Check-in gestanden haben. Gott sei Dank hatten wir ja für unseren London-Aufenthalt Puffer und konnten einen Flug 4,5 Stunden später nehmen – aber auch dafür hätten wir fast nicht unser Gepäck aufgeben können. Ich habe mich dann neben den Check-in-Schalter auf den Boden gesetzt und im gefühlten Sekundentakt verkündet, dass wir den nächsten Flieger nicht auch noch verpassen… dann wäre nämlich der LA-Flug aus London weg gewesen, wir hätten erst am nächsten Tag fliegen können und da wollen wir doch schon in Las Vegas übernachten… na gut. Vielleicht sollte uns dieses Szenario den Abschied aus Mecker-Deutschland einfacher machen. Mit dreistündiger Verspätung sind wir dann abgeflogen und mussten uns in Heathrow zwar etwas beeilen, aber da wir nicht das Terminal wechseln mussten, war auch noch eine Runde Zähne putzen drin. Das Gute an dem ganzen Desaster war dann, dass beim Air New Zealand Check-in die Mitarbeiterin so viel Mitleid mit uns hatte, dass wir die wohl besten Plätze bekommen haben, die die Holzklasse einer Boeing zu bieten hat: Am Notausgang und zwar nicht mit den Toiletten nebenan, sondern mit der Küche. Das hat sich als sehr amüsant herausgestellt, weil die Crew uns nicht nur ständig mit viel mehr Zeug versorgt hat, als man trinken und essen konnte, sondern man hat auch mal ein bisschen was „behind the scenes“ mitgekriegt, was sich bei einer sehr jungen, hoch motivierten aber unglaublich albern-lustigen Crew als total amüsant herausgestellt hat. Saftschubse Jac hat uns dann so viel neuseeländischen Weißwein angedreht („you gotta drink yourself to New Zealand“) dass wir sogar beide (ich mehr beduselt als Jörn) in den Schlaf gesunken sind. Ich glaube wir haben beide mehr geschlafen als auf allen vier Langstreckenflügen, die uns letztes Jahr nach Neuseeland gebracht haben, zusammen. Besonders lustig fand ich so auch, dass die gesamte Crew sich scheinbar auf eine Art Wettbewerb mit einem Flugzeug von Charle de Gaule eingelassen hatte: Fast die ganze Zeit war das Flugzeug von Air France neben uns zu sehen. Und auch die Flight attendants haben kräftig mitgefiebert. Wirklich irre, diese logistische Koordination. Da wir dann sogar 20 Minuten früher gelandet sind obwohl ein Mitarbeiter gesagt hatte, dass er glaube, dass Air France den früheren Slot hat, müssen sich ja alle beim Wettflug doch ins Zeug gelegt zu haben haha. Nachdem wir dieses Mal die USA-Gesichtskontrolle unkompliziert hinter uns bringen konnten, war sogar unser Gepäck da. Nach dem Drama hätte ich das ja nicht gedacht… am Flughafen lief alles ganz unkompliziert. Mit einem Shuttle sind wir vielleicht 2, 3 Meilen gefahren und wurden direkt vor der Tür des Mietwagen-Anbieters abgesetzt. Dort haben wir uns noch ein Navi geliehen und übliche Formalia besprochen. Als der Mitarbeiter auf meine Frage „So what kind of car are we gettin‘?“ mit: „how about you get to choose one?“ geantwortet hat, haben wir das irgendwie nicht so ganz ernst gemommen. Bis er uns in die Garage geschickt hat, in der allein für unsere Mietwagen-Kategorie „Mid Size“ mehr als 30 Autos standen. „The keys are in the car – just try them out“ hatte der Mitarbeiter gesagt. Und in dieser Garage standen wohl insgesamt 100 schicke Autos und in allen steckte der Schlüssel. Irre. Wir haben jetzt übrigens eine echte Pimp-Karre. Das meine ich genau so. Jörn hat aus dem Wunderland einen Hyundai Senata oder sowas ausgesucht. Ziemlich großes Schiff, wenn man Golf gewöhnt ist. Und die Ausstattung…. Zahlreiche Sitzpositionen kann man einstellen, Klima, Tempomat… alles was Spaß macht. Die Sitze sind so beige, in Lederoptik, das Auto ist so ein Anthrazit-Ton. Achja und die Amaturen haben gemaserte Holzvertäfelungen. Es ist eine Pimp-Karre und wir haben ihn „Dude“ genannt. Der Roadtrip konnte also beginnen. Jörn hat sich tapfer durch teilweise zwölf-spurigen Stadtverkehr geschlagen. Ohne Navi kann ich mir das echt nicht vorstellen. Zumal eben jeder fährt wie er will… die Unterkunft hat unser Navi gut gefunden. Nur ein Parkhaus zu finden war etwas schwieriger. Vor allem weil L.A. Downtown (eine Straße weiter steht hier übrigens ein dickes Schild „Fashion District“) irgendwie nur aus Einbahnstraßen besteht. Aber eine nette Mitarbeiterin des Hotels hat uns geholfen. Da wir dann irgendwie doch erst um 23 Uhr im Hotelzimmer waren und nach dem Duschen schon eingeschlafen sind, haben wir uns entschieden heute früh zu starten, damit wir gut nach Las Vegas kommen. Früh hat es auch der Jetlag mit mir gemeint, ich bin seit 5 wach, jetzt ist es sechs. Mal sehen wie lange Jörn noch friedlich vor sich hinschlummert… Hunger habe ich nämlich auch schon, in Deutschland ist schließlich schon Nachmittag! Wir melden uns aus VEGAS!

1 Kommentar:

  1. Na das sind doch schonmal krasse Geschichten.
    Ich hatte noch an euch gedacht, als das mit dem EDV-Problem durch die Presse ging. Allerdings hatte ich nicht gedacht, dass es euch dann gleich so hart trifft. Aber jetzt seid ihr da! Die USA-Mietwagen-Parkhäuser sind echt die geilsten. Da kann man locker erstmal zwei, drei Stunden drin verbringen, diverse Wagen probezufahren und sich für den besten zu entscheiden ;-)
    Ich wünsche euch viel Spaß auf euerm Trip und eine gute Weiterreise nach NZ!
    Ich melde mich jetzt mal arbeits- und obdachlos =)

    Viele liebe Grüße aus da hood,
    Daniel

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