Ein echtes Abenteuer-Wochenende ist gestern sehr abrupt aber schoen zu Ende gegangen.
Vielleicht hilft mir, alles noch mal aufzuschreiben auch dabei, alles irgendwie zu verstehen :)
Denn wir haben so viel erlebt - von wilden Schlangen bis Koalas, von goldenen Sandstraenden bis Betonbuchten, von Grossstadtmetropole bis Regenwald-Einsamkeit...
Ankunft
Nachdem wir um 4 Uhr morgens schlaefrig unsere Hoehle verlassen haben, ist die naechste intensive Erinnerung die Ankunft. Einchecken, fliegen usw. war super unkompliziert, waren ja nur mit Handgepaeck unterwegs und den Standard-Smalltalk ueber uns Deutsche, die in Neuseeland Praktikum machen und dann noch Urlaub in Australien haben wir auch perfektioniert :) also Ankunft... wir sind aus dem Flugzeug direkt an die australische Luft geklettert, ohne Umweg ueber den Flughafen. Und wir haben uns beide angeschaut und gesagt: WARM. Tatsaechlich, es war unerwartet warm. Unerwartet feucht. Unerwartet sonnig. Waehrend wir in NZ zurzeit 20 Grad und kalte Winde haben (ich weiss noch, dass ich beim Abflug irgendwie gefroren hab) hat am Gold Coast Airport von Coolangatta (den Flughafen den Jetstar, Billigflieger von Quantas) Sonne gebruzzelt. Aber hey, wir waren schlieisslich im Urlaub und ganz stolz habe ich schon am Flughafen Jeans gegen Shorts, Sneakers gegen Flip-Flops und Pulli gegen Top getauscht. Unser Mietwagen, ein Holden Astra, hat zwei Minuten nach Ankunft dann auch schon einen Strand gefunden :) was dort aber nicht schwer ist, die Kuestenregion der Gold Coast heisst schliesslich nicht umsonst so. Vor und nach der Mittagssonne glitzern die Straende golden in der Sonne und gehen kilometerlang einfach immer weiter. Ohne, dass Steine kommen, oder eine Bucht, ohne eine Kruemmung, ohne Muscheln oder Algen am Strand - immer geradeaus, glitzernder, goldener Sand. Und Surfer, natuerlich, ich meine klar, wir sind ja auch in Australien. Und diese Wellen! riesig. Angeblich war die heochste Welle, die da mal jemand gesurft hat zehn Meter hoch. faszinierend, aber auch beaengstigend, denn da haut einen auch jede kleine Welle sofort um. Mal kurz zu fuehlen wie "warm" (Vergleich NZ) das Meer ist, hab ich mir aber trotzdem nicht nehmen lassen :)
Surfers Paradise
30 Grad, zurueck im mietwagen. Durch drei Stunden Flug und drei Stunden Zeitverschiebung hatten wir keine Minute verloren und um 8 Uhr morgens noch den ganzen Tag vor uns. Ich glaube das hat uns etwas ueberfordert :) also sind wir erst mal Richtung Unterkunft gefahren, einem Hotel in Surfers Paradise (ja und ich weiss jetzt auch warum der Ort so heisst). Nicht, dass wir Gepaeck haetten abstellen koennen oder so - wir hatten ja nix :) aber von Wetter und Strand waren wir etwas erschlagen und auch mit dicker UV-Schutz 30 Sonnencreme (extra stark fuer Babys) war die Mittagssonne noch warm. Also haben wir uns das Oertchen angeschaut und eine Wal-Tour fuer samstag gebucht (dazu spaeter) und unser Hotel 200 Meter vom Strand begutachtet. Surfers Paradise ist perfekt fuer Badenixen und Beachboys, fuer eine Strandparty und zum Leute kennen lernen. Jede Menge Bars, Cafes, Clubs und Strand, Strand, Strand. Dafuer auch viele Betonkloetze, in denen sich zahelreiche Hotels befinden. Sonst gibt's in dem Ort nicht viel. abends glitzert und blinkt es, das hat was von Las Vegas mit Beach und selbst in der Mittagshitze rennen durchtrainierte braungebrannte Extremsportler stundenlang den Strand auf und ab (einen haben wir oefter gesehen... ueber Stunden... crazy) also ist das auch sozusagen der Gold Coast Muscle Beach :) aber die schoeneren Straende sind nicht in Surfers Paradise - finden wir zumindest. Unser Budget drei Sterne Hotel war aber ein Traum. Und die Aussicht ueber Hardrock-Cafe und Strandmeile fast schon idyllisch. Aber da wir ja das "echte" Land of Oz kennen lernen wollten, haben wir uns beide sehr auf einen von "Tourism Gold Coast" hochgelobten Scenic Drive gefreut.
Scenic Drive
Kurz noch zur erklaerung, ein scenic Drive, soll ein besonders spektakulaerer, atemberaubener, schoener Fahrtabschnitt sein, in diesem fall eine Kombination aus viel Auto fahren, viel sehen und ein bisschen Wandern, Klettern, Entdecken. Ideal fuer unsere ersten Eindruecke von down under :)
Und tatsaechlich, wenn man die Kuesten und Touri-Orte hinter sich laesst und landeinwaerts faehrt, eroeffnet sich in nur zehn Minuten Fahrt eine neue Welt. Der Busch. vielleicht noch etwas zu Australien, dem "roten Kontinent" - im Outback, dem Wuesteland in Zentralaustralien waren wir nicht. Auch im Great Barrier Reef, dem Unterwasserwelt-Weltwunder waren wir nicht. Die Gold Coast liegt zwischen Great Barrier Reef (1000 km noerdlich) und Sydney (1000 km suedlich) im Staat Queensland. Die naechstgroessere Stadt ist Brisbane (spaeter mehr). Und hier, da wo wir waren, (dessen waren wir uns glaube ich auch gar nicht so bewusst) waren diese massiven Buschfeuer letztes Jahr. oder zumindest in der Region. Das heisst, dass wir zehn Minuten von unserer Unterkunft entfernt ueberall Barometer mit Buschfeuer-Gefahr (niedrig-mittel-hoch) gesehen haben, hat uns schon schlucken lassen. Und auch diese niedlichen gelben Schilder auf denen Koalas und Kaengurus abfebildet sind - sind tatsaechlich Warnschilder. Denn ein Kaenguruh anzufahren ist wie ein Reh anzufahren - nicht nur schrecklich und traurig wegen des Tiers, sondern vor allem echt gefaehrlich. Man konnte sich denken, was so manchem zerbeultem Jeep mit kaputten Stossdaempfern, der an uns vorbei geeiert ist passiert ist... und somit war auch leider das erste Kangoo, das wir gesehen haben, ein nicht mehr lebendiges :(
Nach diesem Daempfer habe ich mich umso mehr ueber den tamborine Mountain gefreut. Mit 18 Prozent Steigung geht es in Serpentinen den Berg hoch - fuer die Fahrzeuge, die hoch kommen. Oben wartet eine tolle Aussicht und der Tamborine Nationalpark. Der Weg fuehrt durch dichten, hauptsaechlich Nadelwald, vorbei an Farmland (hauptsaechlich Kuehe) und durch Alleen von Baeumen die lila bluehen... das sieht vielleicht irre aus. So ein fliedriges Lila habe ich vorher noch nicht gesehen.
Faszinierend sind auch die Voegel. Kakadus sitzen im Baum, sogar auf dem Gruenstreifen eines sechsspurigen Highways. Papageien fliegen queitschend vorbei. Flamingo-artige (etwas kleiner nicht rosa, laengerer Schnabel - OK vielleicht doch nicht so Flamingo-artig) spazieren ueber de Strassen und die Sounds des Dschungels klingen wie von einer CD abgespielt. Das Klima ist feucht im Wald, trockener auf den Feldern, mild am Meer. Und auf diesem Berg (den wir 30 Minuten hochgefahren sind..) wohnen tatsaechlich Menschen...
Schlange!
Besonders habe ich mich auf eine einstuendige Wanderung zu einem Wasserfall gefreut. Weil der Waldboden so nadelig war und wir so im Sommerfeeling waren, sind wir beide in kurzen sachen und Joern in Flip-Flops losgestapft. Haben uralte Baeume, die innen hohl sind fotografiert Baeume, Buesche und andere Gewasche begutachtet, die zu einem dichten Gestruepp zusammen wachsen und ich weiss noch, dass Joern mal das Wort Dschungel-Camp fallen lassen hat... obwohl es so dschungelig-war haette ich aber nicht damit gerechnet mitten auf dem Weg eine lange duenne, graue schnell schlaengelnde Schlange zu treffen! Ich hab mich so erschrocken, bin echt froh, dass ich die Kamera nicht habe fallen lassen.
danach waren wir (uebrigens Joerns Vorschlag) ohne Wasserfall sehr schnell wieder beim Auto. Denn wirhatten irgendwie bei jedem feuchten Tropfen, der von oben kam das Gefuehl, dass da jetzt was lebendiges mit runter faellt... ganz komisch.
Gut, wir wollten ja einen Scenic DRIVE machen, also waren wir endlos froh unser tolles Auto zu haben und haben den zweiten Nationalpark dann mal ausfallen lassen :)
Eine weitere schoene Strasse sollte uns durch Grasland fuehren - prima.
Auch diesen Weg haben iwr gut gefunden, wenn mir auch fast die Ohren geplatzt werden beim berg-runter-fahren - so krass war der Druckunterschied. Das war schon heftig, genau wie 18 Prozent Steigung bergab...
Etwas unterschaetzt habe ich die nichtvorhandene Sommerzeit. das heisst um sechs war's finster. Wirklich finster. Und die Sounds des Dschungels haben sich echt veraendert... Vogel Gezwitscher gegen Eulen-artige-gruselige HUUUUUUHUUUU Rufe... und so lautes gezirpe der Grashuepfer und Frosch-Gequake, dass man sich bei offenem Fenster nicht unterhalten konnte. Am schlimmsten war's in einem Toilettenhaeuschen, auf das ich leider nicht verzichten konnte. Man meint echt, ueberall ist was. Und dann veranedert sich die "Zirtschpppp"-Richtung. Ich hatte Angst. Echt Angst. Bei Horror-Filmen und im Dunkeln gruselt man sich. Oder es passiert etwas unerwartetes weswegen man sich erschreckt. Aber das ist keine Angst. Angst ist maximales Unbehagen. Und da, mitten im australischen Dschungel, da war's verdammt unbehaglich. Dass Joern dann noch von zwei Einhemischen aufgerissen wurde, die ihm Horror-Bilder von Spinnen gezeigt haben und gesagt haben, dass mit denen gar nicht su Spassen sei, hat's nicht besser gemacht.
Und dann hatten wir auch noch nen Grashuepfer im Auto.... ich bin fast wahnsinnig geworden.
Soo sehr habe ich mich jedenfalls noch nie auf Beton-Bunker in Form von blinkenen Hotels gefreut :) Und wir haben echt verdammt gut geschlafen - in einem gemuetlichen Insekten-freien Bett...
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