Vielleicht noch vorne weg: Unsere letzte Praktikumswoche zog sich gegen Ende wie Kaugummi. Joerns Chefin hatte ihren letzten Tag und hat ihre Nachfolgerin eingearbeitet und bei mir? Hmm.. da hat jeder vor sich hingebroedelt. Wie's eben mal so ist. Da gibt's dann eben auch mal ne patzige Antwort und auch mal ne Stunde nix zu tun... Was noch nicht leicht ist fuer mich, ist Leute, die kein Interview geben wollen, zu ueberreden. Auf Deutsch macht man das staendig. Oder versucht zumindest: Darf ich das genau so sagen? Und liest etwas vor. Oder fragt eben nach alternativen Ansprechpartnern. Diese Nachfragerei finde ich auf Englisch... uncomfortable bis peinlich. Das heisst wenn jemand zweimal nein sagt, dann war's das fuer mich und ich wuensche nen schoenen Tag und lege auf. Auch weil ich nicht genau weiss, wie ich genauer nachfragen soll oder ne Tuer ins Thema finde. Naja, das hat wohl einmal den Eindruck hinterlassen ich wuerde nicht hartnaeckig arbeiten, woraufhin man mir versucht hat investigativen Nachrichtenjournalismus naeher zu bringen - was mich wieder etwas frustriert hat - ist nicht so, dass ich das nicht kennen wuerde and it's not, that I didn't try... anyways: Da Wochenende war noetig. Dringend.
Und so habe ich mich sogar gefreut, als am Samstagmorgen der Wecker geklingelt hat, um 7 Uhr uebrigens. Wir hatten naemlich eine weite Strecke vor uns, etwa 160-200 Kilometer immer an der Kueste entlang. Das Ziel? Der Weg :) Mit Thames (read: Temms) bzw. Pauanui als Endstation :)
Ueber Beachlands nach Omana
Der Weg aus Auckland gen Osten raus ist ganz anders als die anderen Strecken die wir gefahren sind. Die Strasse schmiegt sich direkt an die Kuestenlinie, kommt man von der Strasse ab, faehrt man auf fast gleicher Hoehe ueber den Strand.
Die Straende sind sehr urspruenglich, also viele Steine, Algen, Muscheln, Felsen usw. jedoch ist immer wieder ein Strand einfach golden und flach, da sieht man dann ein paar Leute Rugby spielen oder so.
Weil Joerns Chef in Beachlands wohnt und uns mal von dort mit dem Boot zum Angeln mitnehmen moechte, haben wir uns das Doerfchen mal angeschaut. Unglaublich, dass das, eine halbe Stunde fahrt von uns, immer noch zu Auckland gehoeren soll. Eine einzige Strasse mit einem tante Emma Laden einem Cafe einer Bank und einem Kreisverkehr... am "Hafen", wenn man das so nennen kann, haben wir angehalten und die schoene Sonne genossen. Ein echt friedliches Fleckchen Erde. Und ganz schoen pompoese Villen stehen da rum.. ich frage mich ja welche wohl Joerns Chef gehoert, aber ich glaube er hat sich nicht getraut zu Fragen :)
Nachester Stopp: Omana. Ein Schild mit der Aufschrift "Regional Park" hat uns angelockt und dann haben wir mal eine gut einstuendige "Wanderung", oder eher farmspaziergang an der Kueste durch Schaf- und Ziegenweiden, einen Campingplatz und eine Sumpf-Wald-Landschaft gemacht. Wie in allen Regional Parks ist das immer sehr gut ausgeschildert und die Wege sind befestigt.
Da wir aber Freitag noch im Adidas-Lagerverkauf (ja, wir sind in Neuseeland und gehen zum Adidas-Lagerverkauf....) grandiose Trekking-Schuhe fuer nur 70 Dollar erbeutet haben, konnten wir die mal einweihen und einem ersten kleinen Test unterziehen.
Der Regional Park war huebsch, aber es waren besonders viele Spaziergaenger mit Hund unterwegs, sodass wir uns entschieden haben unseren Lunch-Break an einen anderen Strand zu verlegen...
Tapapakanga und Seabird Coast
Dieser tolle Strand war direkt an der Strasse. Orere Point. Stellt euch vor ihr fahrt rechts ran, lauft fuenf Meter ueber eine satte gruene Wiese, unter einem riesigen Baum hindurch und ihr steht auf hellem, warmem Sandstrand. Da haben Kaesebrot & Obst auch besonders gut geschmeckt :) Fairerweise haben wir sogar etwas mit der Moewe geteilt, die etwas erfolglos im Wasser herum gestochert hat und uns dann bemittleidenswert beim Essen zugeschaut hat :)
Das Wetter war bis hierhin traumhaft. 25 Grad, Sonne, ich habe kraeftig eingecremt, Joern hat richtig farbe gekriegt, wir hatten kurze Sachen an (ja beide!!!) und ohne Sonnenbrille ging auch nix.
Etwas bewoelkt wurde es dann im naechsten Regional Park "Duder", wo wir vorbei an Schafweiden nur einen kurzen Blick auf Wege und Strand geworfen hatten, bevor es leider etwas getropft hat. Strand und Nieselregen macht keinen Spass, allein, weil man keine Fotos machen kann.
Dafuer war es im naechsten Regional Park (habe ich schon erzaehlt, dass es 26 im Grossraum Auckland gibt? *g*) schoener.
Im Tapapakanga Park fuehrte unser Weg mitten durch eine riesige Schafherde. Und diesmal waren sie nicht eingezaeunt. Wir sind immer noch so fasziniert, wenn man mit dem Auto ueber einen Schotterweg faehrt und links und rechts nicht endende gruene Huegel sehen und die Schafe liegen im Gras und gucken einen genusslich schmatzend an, als ob sie darauf warten, dass man sie entertained :)
Unsere Versuche, die Schafe zu schmusen waren leider erfolglos. So interessiert waren sie doch nicht :) Aber fuer ein paar Laemmchen-Fotos (hier ist FRUEHLING!!!) hat es gereicht!
Der Park selbst hat etwas ungemuetliches an sich. Etwas duesteres. Keine Ahnung, ob das war, weil es etwas bewoelkt war und das Meer so grau wirkte. Aber da liegen Baumstaemme am Strand, Wurzelwerke ragen aus dem Boden, von denen man nicht weiss, ob da noch was am Leben ist, ueberall sind Felsen mit Loechern durch die Gischt saust, die Wellen kommen laut und unregelmaessig, der Strand besteht aus grossen Muschelstuecken und alles ist voller Schwaemme, ja, die gelben, mit denen man frueher Tafeln geputzt hat und die ich heute nur noch in ueberteuerten Oeko-Drogerien als "special relaxing treat" sehe. Nur die Klumpen waren nicht wirklich wohlgeformt, sondern haben schon an dicke, klumpige Skelette erinnert.
Dazu waren die Felsen ganz orange. Kupfer bis orangefarben. Irre sah das aus. Als ob sie jemand in den farbeimer geworfen haette, wie beim Eier-Faerben an Ostern, nur nicht ganz so regelmaessig. Ein insgesamt sehr faszinierender Ort - aber am Strand liegen und entspannen koennte ich da wohl nicht.
Weiter ging es, immer an der Kueste entlang, ueber eine schmale, zweispurige Strasse, die sich State Highway nennt, in einen Ort namens Miranda, in dem es nichts gibt ausser Voegel :) Hier befindet sich die naemlich in Reisefuehrern gelobte "Seabird Coast" eine Watt-Sumpf_feuchtlandschaft direkt am Meer, also von feuchtem Sand, bis hin zu Bachlaeufen in Richtung Wasser, Watt und kleinen Seeen bietet dieser breite "Strand" wohl tausenden Voegeln Lebensraum, mit den unterschiedlichsten Anspruechen. Wenn die Voegel brueten sind auch unzaehlige Tierfotografen da mit ihren Monster-Tele-Objektiven - aber da es jetzt gerade Sommer wird haben wir da wohl den besten Teil verpasst.
Besonders faszinierend fand ich dort zu sehen, wie viele unterscheidliche Voegel in Gruppen mit jeweils ihrer Art schwimmen, Waten, schlafen, fliegen - ich denke aber wir wissen das nicht ganz so zu schaetzen wie richtige Vogel-Fans, wir kennen die Arten ja nichtmal... wir haben etwas gesehen, das so gross war wie ein Schwan aber schwarz, mit geschwungenem Hals und weissen Federn an den Fluegeln, ist aber geflogen wie eine Gans... dann Enten und Moewen, riesige Seemoewen und kleine mit Tomaten-roten Fuessen und Schnabel, aber auch welche mit schwarzem Kopf...
was wir ganz sicher gesehen haben ist "New Zealand Dotterel" weil der Vogel hier ueberall abgebildet ist, weil es nur noch so wenige gibt. Das war ganz nett. Und auch den "Pied Stilt" habe ich von Info-Tafeln erkannt. Wir haben fuer uns einfach viele entdeckt, die wir noch nicht kannten und noch nie gesehen haben. Aber wiklich lang waren wir auch nicht da....
Allen Vogel-Fans: Sorry, fuer unsere Unkenntnis...
Thames nach Pauanui
Die Tanknadel hat sich dann langsam gegen rot geneigt... und wir waren froh, dass Thames, die "grosse Stadt", ganz fett auf der Karte eingezeichnet, nicht mehr weit war.
Dass die "fette" Stadt, Thames, nur 9000 Einwohner hat und es ausser einer Tankstelle, einer Touri-Info, einem McDonald's, einem KFC, einem kleinen und einem grossen Supermarkt nix gibt (ohne Witz, wir sind die einzige grosse Strasse in zwei Minuten durch den ganzen Ort gefahren) hat mich dann doch etwas enttaeuscht. Und so haben wir nach einem grandiosen Mc Donald's Latte und einer Tankfuellung entschieden ncoh weiter zu fahren, auf die Coromandel Peninsula (Halbinsel).
Auch wenn ich ein komisches Gefuehl hatte, noch einmal 60 Kilometer in die von zu Hause entfernte Richtung zu fahren (mittlerweile war's 17.45 Uhr) - bin ich echt froh, dass Joern mich ueberredet hat. (Da ich ja eh nicht so gern Auto fahre, vor allem nicht auf der linken Strassenseite und schmalen, bergigen Strassen, kann er mich immer ganz gut mit dem Argument "ich fahr auch" ueberzeugen :) ). Die Strecke ueber die Peninsula war ganz irre.
Und etwas wirklich, wirklich besonderes. Wir haben riesige kreisende Raubvoegel (Adler??) ueber dichten, Dschungel-artigen waeldern und steilen Bergen und Klippen gesehen, sind in Serpentinen eine kleine Strasse die Berge rauf und wieder runter gefahren und sind ausser an toten Possums (New Zealand's speed bumps) and NICHTS vorbei gekommen. Irgendwann stand in der Ferne ein Holzhaeuschen und Autos standen davor. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was das wohl ist im Nirgendwo. Ein kleines Schild mit der Aufschrift PETROL und eine einzige Zapfsaeule (ohne Preis, ohne Namen....) hat es dann erklaert :) wirklich urig. Die Landschaft war besonders faszinierend, statt den raubvoegeln haette auch ein Flugsaurier ueber uns hinweg fliegen koennen - bei der Szenerie haetten wir uns wohl nicht gewundert.
Pauanui war... unspektakulaer :) wieder dick auf der Karte eingezeichnet, wohnen dort nur hundert und ein paar Menschen laut Wikipedia.
Ein Reichenhuegel, mit mehr Sommerhaueschen und Hotels als Einwohnern. Die einzigartige Lage am Strand rechtfertigt wohl den Preis der Haeuser, unter 1 Million Dollar gibt's da naemlich kein Gartenhaus - sehr ungewoehnlich fuer NZ. Dort haben wir dann tatsaechlich auch mal BMWs vor den Haeusern stehen sehen... aber das Tolle war echt der Strand. Er laeuft ganz unfoermig mitten durch die Stadt, auch das Meer scheint diese fast wie eine nsel zu umschliessen. Aber es ist ganz flach, da koennte man bestimmt toll schwimmen. Ganz durchsichtiges Wasser. Und die Abendstimmung dort ganz allein an den Straenden war Idylle pur. Wir haben einen Campervan gesehen der auf unseerm Parkplatz sein Nachtlager aufgeschlagen hat - verstehe ich :)
Ich hoffe wir kommen dort nochmal hin. Denn leider war die Sonne viel zu schnell weg und wir doch irgendwie erschoepft.
Nachdem wir noch Dosenspaghetti und was wir noch so im Kofferraum deponiert hatten im Auto gegessen haben (ich glaube daran koennen wir uns jetzt gewoehnen - was zu essen gab's da naemlich nicht...) sind wir dann nach Hause gefahren... fast haette ich mich hinreissen lassen dort einfach eine Unterkunft zu suchen.
Aber wir haben ja eine bereits bezahlte Unterkunft in Auckland - und da wir im Moment ja kein geld verdienen, sondern nur Ersparnisse ausgeben, muessen wir glaub ich schon etwas gucken, dass wir auch noch im Maerz Dosenspaghetti essen koennen (hier gibt's keine Ravioli, sondern Spaghetti aus der Dose).
FinallyIch denke noch viel wichtiger als jede Beschreibung all der besonderen Orte die wir sehen, ist wie man sich dabei fuehlt, naemlich gut :)
und man wird, wenn man so viele Tiere, Pflanzen, Farben, Formen und Landschaftsformationen sieht echt ehrfuerchtig und auch.. begnuegsam. Ruhig irgendwie. Die Gedanken oder Sorgen, die man hat schalten sich automatisch ab und alles um einen herum wirkt einfach. Wie wenn man ein gutes Buch liest und auf einmal klingelt das Telefon und dann merkt man erst, wie tief man in der Welt versunken war.
Wir merken hier wirklich jeden Tag wie privilegiert wir sind - nicht nur weil wir hier sind und so viel erleben, auch Zuhause. Und wir merken, dass wir eigentlich ein ziemlich vernuenftiges Leben fuehren. Unsere Pflichten ernst nehmen. Nicht ueber unsere Verhaeltnisse leben. Uns an Regeln, Termine und Richtlinien halten. Dass wir schon ein schlechtes Gewissen haben, mal auf der arbeit zu fragen, ob man eine Stunde frueher gehen kann. Aber Pflichten allein und auch die Monate in denen ich sechs Tage die Woche gerabeitet oder vier tage studiert und zwei tage gearbeitet habe... die ziehen jetzt rueckwirkend an mir vorbei wie ein Film auf "Fast Forward" mit hundertfacher Geschwindigkeit. hier nehmen wir endlich mal Dinge in echtzeit war. Und nehmen uns auch die echte Zeit etwas wahrzunehmen. Um ueberhaupt Erinnerungen rekonstruieren zu koennen. Und sich mal aus diesem Gestruepp an Anforderungen, in dem man Zuhause immer so haengt, zu befreien.
Ich hoffe, die Erfahrung wie es ist, etwas wirklich zu erfahren wird uns dauerhaft erhalten bleiben. Und wenn das die einzige Erfahrung ist, die ich hier mache :)
So kurz ist das jetzt alles doch nicht geworden... aber die Coromandel Halbinsel verdient Beachtung. Es war echt einer der schoensten Ausfluege bisher auch wenn ich abends um 11 als wir wieder da waren, echt KO war.
Ich habe mal eine ungefaehre Google-Map gemacht, damit ihr ungefaehr sehen koennt, wo wir waren.
View Larger Map
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen