Gestern Abend (Donnerstag) hat uns die Sonne noch vor die Tuer gelockt. Es war den ganzen Tag ueber trocken (was hier in letzter Zeit nicht selbstverstaendlich ist) und bis auf ein paar Wolken nur blauer Himmel zu sehen. Also schnell kurze Hose und Flipflops an, unseren weissen Boliden gestartet und ab zum Muriwai Beach.Der Strand liegt noerdlich von Piha an der Westkueste und ist mir auch schon von Arbeitskollegen empohlen worden (faellt mir gerade beim Schreiben ein…). Auch hier handelt es sich um einen Black Sands-Beach, also einen Strand, dessen Sand nahezu dunkelgrau bis schwarz gefaerbt ist. Das liegt an der Beschaffenheit der Felsformationen, die ueber die Jahre abgetragen und zu Sand „verarbeitet“ worden sind. Schon beeindrucken, dass man an der Ostkueste gold-gelbe Straende und ein paar Meter weiter am anderen Ufer fast schwarzen Sand findet.
Am Parkplatz angekommen hatten wir Schwierigkeiten, dass uns der Wind die Autotueren nicht aus ihren Angeln reisst. Hier hatten wir die bisher heftigsten Windboehen, teilweise konnnten wir uns vorstellen, wie ausgeliefert man in der Wueste sein muss, wenn dort mal ein Sandsturm herfegt. Und dort gibt es wahrscheinlich noch ein bisschen mehr Sand. Trotz der sandkoernerschwangeren, peitschenden Windboehen standen wir mal wieder mitten in einem neuen Maerchen. Die Miniduenen, die vom Wind am Strand malerisch aufgehauft werden, sehen von oben betrachtet aus wie Schleier aus Seide, die sich ueber den gesamten Strand erstrecken, irgendwie unreal. Nach ein paar Metern Spaziergang haben wir beschlossen, erst einmal unser wohlverdientes Abendessen im Auto einzunehmen, da es am Strand wahrscheinlich einen eher knirschenden Beigeschmack gehabt haette
Wir sind noch ein paar Meter weitergefahren zu einem Parkplatz einige Meter oberhalb des Strandes auf einem Felsvorsprung, damit wir auch ein adaequates Panorama zum dinner hatten. Uebrigens gab es Mini-Kartoffeln, morgens vorgekocht aus der Tupperdose (woraus auch sonst?) mit Guakomole, Tomatensauce aus der Flasche und baked beans fuer mich aus der Dose =) Links von uns verlief noch eine kleine Strasse in Richtung Strand direkt an der Felswand entlang. Die war allerdings schon per Schranke versperrt. Da ich sie nicht bis zum Ende einsehen konnte, hatte sie umso mehr meine Neugier geweckt, die ich unbedingt nach dem 5-Sterne-Menue noch befriedigen musste. Ich machte mich also auf, waehrend Sarah im Auto warten wollte und den NZ Herald las, weil ihr der Wind am Strand bereits die Traenen in die Augen getrieben hatte und wir schon ordentlich durchgepustet waren. Hier merkt man erst mal wieder, dass man lebt :D
Und am Ende der Strasse ging das Abenteuer erst richtig los. Man konnte von hier aus grandiose Fotos von den riesigen Wellen machen, die vor die Felsen peitschten und die Gischt durch die Luft zischen liessen. Etwas abseits fuehrte eine schmale Holztreppe steil hinauf durch gruene Wiesen, immer mit Blick auf das Meer, ein ueberwaeltigender Anblick. Die Faszination sollte allerdings noch bei weitem getoppt werden, als ich auf der Spitze des Felsens angekommen war. Ich hatte man einen unglaublichen Blick auf ein Art Bucht, in der Hunderte von Toelplen (gannet) sassen, in der kuehlen, heftigen Meeresbrise gleiteten und eine beeindruckende Soundkulisse boten. Gerade mal ein, zwei Fotos aus absoluter Begeisterung geschossen lief ich in meinen Flipflops zurueck zum Auto, um Sarah von diesem Spektakel zu berichten und mit dorthin zu locken. Ich hatte mir gedacht, dass es ihr nicht schwer fallen wuerde, den Wind fuer diesen Anblick zu ertragen. Es war wirklich wie im Film. Man steigt ein paar Stufen hinauf und hinter jeder Ecke verbirgt sich wieder ein weiteres Highlight, einfach so. Und wir waren mal wieder, bis auf drei, vier andere Fotografen alleine dort. Eine unbeschreibliche Stimmung. Wie gemalt, als sei diese Ausblick nur fuer Touristen arrangiert worden. Man steht einfach mit offenem Mund nur dort, versucht wahrzunehmen und zu begreifen, was man sieht und es irgendwie auf Fotos festzuhalten. Irre! Auch hatten wir hier wieder das Glueck, von der kleinen Holzplattform den Sonnenuntergang bestaunen zu koennen, den ich natuerlich wieder digital dokumentiert habe.
Sarah hatte sich ein paar Minuten vorher schon in den kleinen Wald verzogen, durch den der Weg zum Aussichtspunkt fuehrte, da es hier wesentlich windstiller war, und kam auf die lustige Idee, in einem Baum auf mich zu warten, um mich dann in der Dunkelheit zu erschrecken. Allerdings war das Paerchen, das auch den Abend dort genoss, schneller auf dem Rueckweg und tappten in Sarahs Baumfalle. Die Frau hat sich wohl ordentlich erschrocken, er hat nur laut gelacht. Mich hat es spaeter ueberhaupt nicht erschocken, sonder mehr der Gedanke, wie Sarah es angestellt hatte, in den Baum zu klettern bzw wie sie wieder herunter kommen wollte!?!
Diese Ausfluege erscheinen uns oft irgendwie zeitlos, wir haben das Gefuehl, dass diese Landschaften hier aus einer anderen Welt stammen, ist schwer zu beschreiben. Die Realitaet hat uns immer erst dann wieder, wenn morgens der Wecker klingelt und wir zum Job muessen. Waehrend wir uns schon wieder auf das naechste Erlebnis freuen…
Ich betone uebrigens, dass keines der Fotos in unserem Blog irgendwie digital nachbearbeitet worden ist. Die Fotos sind nur das Rohmaterial, das direkt von der Speicherkarte auf die Festplatte kopiert worden ist. Und JA, es sieht hier wirklich so aus =)
Unglaublich stimmungsvolle Fotos! Dieses Abendlicht! Die Vögel kennen wir aus der Bretagne (Sarah müsste sich erinnern #Les Sept Iles#). Dort heißen sie #Fou de Bassan# = Basstölpel = engl. #Northern Gannel#. Und so nah! In NZ müssen die sich nicht auf einsame Inseln zurückziehen, bzw. ganz NZ scheint eine einsame Insel zu sein?
AntwortenLöschenGruß
Walter